René Stareczek und der basis verlag präsentieren eine Leseprobe aus dem Buch „Vom Gelde“

Inzwischen hat sich in ganz Europa, und nicht zuletzt in Deutschland, die allgemeine Unkenntnis in Gelddingen furchtbar gerächt. Vom Gelde ausgehend haben soziale Umwälzungen stattgefunden, die sich eines Tages vielleicht noch folgenschwerer erweisen werden als die politischen Veränderungen, die der Weltkrieg hervorgerufen hat.

Aber die Banken sind meiner Meinung nach dazu da, der rechtswidrigen Neuverteilung des Eigentums entgegenzuwirken, nicht dazu, Helferdienste bei ihr zu verrichten. Mit Schrecken sehe ich, wie heute die Banken die ,,neuen Reichen“ noch reicher machen, indem sie ihnen ihre Mittel zur Verfügung stellen, nach dem Wort: „Wer da hat, dem wird gegeben“; und wie sie die Verarmten völlig verelenden lassen, indem sie ihnen den letzten rettenden Strohhalm, den Kredit, entziehen. Ich sehe, wie die Banken in der Not der Zeit Fett ansetzen. Ich sehe, wie viele meiner Kollegen, statt praktische Rettungsarbeit zu verrichten, einer widerwärtigen Art geschäftigen Müßiggangs frönen, indem sie sich an dem nutzlosen Geschwätz der Utopisten beteiligen, die da glauben, nach wohldurchdachten Plänen eine funkelnagelneue Wirtschaft aufbauen zu können, damit aber nur verraten, dass sie das wirtschaftliche ABC nicht kennen.

Du musst wissen, auf welchem Instrument Du spielst. Wer mit Millionen und Milliarden spielen will, muss wissen, was Geld ist. Wer eine Bank leitet, das heißt am Schaltbrett der nationalen Energien steht, muss den Strom kennen, den der Druck seiner Hand auslöst, muss wissen, wie dieser Strom sich über die Wirtschaft verteilt, und wie er innerhalb derselben wirkt. Werfen wir daher zunächst einen sehr grundlegenden Blick auf eines der wichtigsten Wirtschaftsinstrumente überhaupt, den Kredit, und machen wir uns klar, wie dieser tagtäglich von praktisch jedermann vergeben wird – von jedem Lebensmittelhändler an jeden Warenkäufer an der Kasse, und selbst von jedem Angestellten an seinen Arbeitgeber ­– jeden Tag des Arbeitsmonats!

Ich höre schon Deinen Einwand, lieber James, dass doch der Warenkäufer an der Kasse den Laden nicht ohne Bezahlung verlässt und kein Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber Kredite einräumt – schon gar nicht täglich. Aber damit erklärst du nur, dass du das Wesen des Geldes und des Kredites noch nicht verstanden hast, mein Lieber! Also lies weiter.

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